Tiervermittlung


Infos zur Tierhaltung


Wichtige Überlegungen vor der Anschaffung der Kaninchen

Die artgerechte Haltung von unseren Kaninchen

  • Fragebogen...

Wer sich Kaninchen anschaffen möchte, muss sich vorher darüber im Klaren sein, dass er Verantwortung für ein Lebewesen übernimmt, das ganz und gar von ihm abhängig ist. Die Kaninchenhaltung wird viel Zeit beanspruchen und deshalb sollte sich jeder Kaninchenliebhaber vor der Anschaffung folgende Fragen stellen:
 

•    Haben Sie die Möglichkeit im Garten ein grosses Gehege
     (mindestens 6 m2) für zwei Kaninchen zur Verfügung zu stellen?

•    Gestattet die Hausverwaltung das Aufstellen eines Geheges?

•    Bringen Sie das Geld für ein artgerechtes, gut strukturiertes Gehege auf?

•    Bringen Sie das weitere Geld für Futter, Einstreu, Tierarzt auf?

•    Sind Sie bereit, viel Zeit und Geduld für das Misten, Füttern und Pflegen
     der Kaninchen zu investieren?

•    Haben Sie eine Patin oder einen Paten für Ihre Kaninchen, die sich
     während den Ferien um die Tiere kümmern kann?

Wer nur eine Frage mit "nein" beantworten muss, sollte im Interesse der Kaninchen auf eine Anschaffung verzichten.

Kaninchen und Kinder

Für Kinder ist es eine bereichernde Erfahrung mit einem Haustier aufzuwachsen. Leider werden Kaninchen und Meerschweinchen aber noch viel zu häufig als Kuscheltiere missbraucht. Die sozialen, bewegungsfreudigen und spannenden Nagetiere verkümmern noch zu oft in Einzelhaft in viel zu kleinen Käfigen (Einzelhaltung seit 2008 gesetzlich verboten). Die Kaninchen vegetieren durch die Vereinsamung und den Bewegungsmangel dahin und die Kinder verlieren dadurch schnell das Interesse an den Tieren und die mit grosser Euphorie gekauften Kaninchen landen im nächstgelegenen Tierheim. Obwohl Kaninchen und Meerschweinchen keine Streicheltiere sind, können sie für Kinder eine bereichernde Erfahrung darstellen. Voraussetzungen dafür sind, dass die Nager in einem grossen Gehege artgerecht gehalten und die Kinder mit Geduld und Zeit langsam das Vertrauen der Tiere gewinnen können. Für die meisten Kinder bleiben so die süssen Kaninchen faszinierend und sorgen für Freude und spannende Geschichten. Wichtig ist, dass die Kinder mit etwas Futter in ein grosszüges Gehege sitzen und die Kaninchen freiwillig Kontakt aufnehmen können. Dabei muss es eine Rückzugsmöglichkeit für die Kaninchen geben, die für das Kind nicht zu erreichen ist. Dann können beide gegenseitigen Respekt und Vertrauen aufbauen.


Warum Kaninchen immer noch in Einzelhaft gehalten werden...

Wie bereits erwähnt ist die Einzelhaltung von Kaninchen leider noch stark verbreitet. Auch die gemeinsame Haltung mit einem Meerschweinchen als Partnerersatz wird fälschlicherweise oft noch empfohlen. In vielen Fällen ist die Angst vor einer missglückten Vergesellschaftung grösser als der Wunsch das Singledasein seines Kaninchens zu beenden. Wir setzen uns für artgerechte Haltung ein und unser Verständnis endet dort, wo ein Tier für seine „Abhängigkeit“ geliebt wird. Nicht selten treffen wir auf Kaninchenhalter, die ihrem Kaninchen das Leben mit einem Artgenossen verwehren, weil sie fürchten, es sei dann nicht mehr so zutraulich oder menschenbezogen. Meistens jedoch werden Kaninchen aus Unwissenheit in Einzelhaft gehalten.

Wir machen uns stark für eine artgerechte Kaninchenhaltung

Kaninchen sind sehr soziale Tiere, sie sollten mindestens paarweise gehalten werden, aber auch das Leben in einer Kleingruppe von 3 – 15 Tieren kommt ihrem Wesen sehr entgegen. Die Kaninchen fühlen sich sowohl im Sommer, wie auch im Winter sehr wohl an der frischen Luft und können ganzjährig im Aussengehege gehalten werden. Damit die Kaninchen ihre arttypischen Verhaltensweise ausleben können, benötigen sie einen Naturboden um ihr "Buddelbedürfnis" ausleben zu können. Zudem sind viele Versteckmöglichkeiten (Äste, Höhlen, Hüttli etc.) und erhöhte Aussichtsplattformen wichtig, damit das Fluchtier Kaninchen sich auch sicher fühlen kann. Falls sie weitere Fragen zu der artgerechten Kaninchenhaltung oder wenn Sie die Angst vor einer Vergesellschaftung bisher davon abgehalten hat, Ihrem Kaninchen einen Partner zu gönnen, dann stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Zögern Sie nicht uns telefonisch oder per Mail info(at)tierrettungsdienst.ch zu kontaktieren.

Die artgerechte Fütterung


Das Futter unter natürlichen Lebensbedingungen

In freier Natur fressen Kaninchen Gräser, Kräuter und Blätter von Gemüsepflanzen und nehmen Wasser überwiegend in Form von Tautropfen in ihrer dämmerungsaktiven Zeit auf, in der sowohl am Morgen als auch am Abend die Pflanzen jeweils vom Tau angefeuchtet sind. Nicht zum Nahrungsspektrum von Kaninchen in freier Wildbahn gehören hingegen Körner von Weizen, Roggen, Hafer oder Gerste, da diese Körner nur für eine kurze Periode verfügbar und dann in einer Höhe von ca. 1 Meter für die Kaninchen ohnehin gar nicht erreichbar sind. Nur wenn vom Wind verwehte Körner auf den Boden fallen, könnten Kaninchen überhaupt an dieses sehr stärkereiche, aber zellulosearme Futtermittel herankommen – dann allerdings zu einer Jahreszeit, in der dieses energiereiche Futter gar keinen Sinn machen würde, da erst kurz vor dem Winter eine entsprechende Energiereserve erforderlich ist. Ansonsten fressen Kaninchen in freier Natur keine Körner.

Die artgerechte Fütterung ohne tierische Nebenerzeugnisse...

Haben Sie schon einmal die Inhaltsprodukte der „Snacks“ für Kaninchen bzw. Meerschweinchen gelesen? Zucker, Mehl, Maiskleie, Hartbiskuit, Zuckerrohrmelasse, Bäckereinebenerzeugnisse, aufgepoppte Getreidesorten, Saaten, gehackte Nüsse, Honig, pflanzliche Nebenerzeugnisse, tierisches Eiweiß, tierische Nebenerzeugnisse, frische Eier, Milch- und Molkereierzeugnisse, Joghurtpulver...
Alles Nahrungsbestandteile, die unseren Nagern in freier Wildbahn nicht zur Verfügung stehen und ihnen gesundheitlichen Schaden zuführen.

Auch Weizen- und Haferkörner sind keine artgerechte Nahrung für unsere Nager. Leider sind Getreideprodukte auf den Weltmärkten billige Futtermittel, die ansehnlich bearbeitet und attraktiv verpackt als Futter von der Futtermittelindustrie angeboten werden.

Die Folgen der Getreidefütterung

Kaninchen und Meerschweinchen haben ein ausgeklügeltes Verdauungssystem und ihr Magen-Darmtrakt ist auf rohfaserreiches Futter angewiesen (Heu, Gemüse, Früchte, Gräser etc). Die Fütterung von Getreide (Körner) hat gesundheitliche Folgen, die aber nicht sofort zu erkennen sind. Das Kaninchen ist in der Lage die viel zu energiereiche Stärkefütterung zunächst – äußerlich betrachtet – "unbeschadet" zu überstehen. Die Folgen werden jedoch mit der Zeit offensichtlich und reichen von chronischen Durchfällen, Fliegenbefall in der Sommerzeit, Trommelsucht als Folge von Fehlgärungen bis hin zu massiven Zahnproblemen.

Fazit

Die Tatsache, dass der zoologische Fachhandel seit Jahrzehnten das Körnerfutter für Kaninchen und Meerschweinchen mit grossem Erfolg verkauft, liegt daran, dass die Tiere das Körnerfutter gerne fressen, der Preis durch billige Rohstoffe sehr günstig ist und an der Tatsache, dass Folgeerscheinungen nicht unmittelbar auf das Futter zurückgeführt werden können. Erst in den letzten Jahren haben engagierte Tierärzte sowie Tierernährungsspezialisten auf diese Missstände hingewiesen. Seit einiger Zeit werben deshalb innovative Futtermittelfirmen mit getreidefreiem Futter und vertreiben Futtermittel, die auf den Bedarf dieser Tierarten ausgerichtet sind. In Kombination mit einer fachlich kompetenten Fütterungsberatung ist es deshalb ratsam, die Ernährung der Tiere umzustellen.
 

Weiteres Infomaterial, sowie Bezugsquellen für artgerechtes Futter
Kaninchenhilfe Schweiz
Kantonstrasse 19, 3930 Visp Tel: 079 652 98 77
E-Mail: info(at)kaninchenhilfe.ch